Neujahrsvorsätze zweiter Teil

Januar 5, 2010

Noch so etwas, das ich mir zu tun beziehungsweise eher NICHT zu tun für dieses Jahr vorgenommen habe:

nicht mehr so viele Gelegenheiten zu verpassen. Die Qualen hinterher sind fürchterlich.

Beispiel ?

Klar.

Unser Stallbesitzer (SB) hält sich zwei Schafe. Prinzipiell namenlos (ich nenne sie „Herr Schaf“ und „Frau Schaf“), nicht handzahm und ohne Job außer dem des Teilzeitrasenmähers ist an ihnen eigentlich kaum etwas Besonderes – außer ihrem Fell. Das ist wundervoll zottlig. Im Frühjahr und Herbst scheint sich das alleine ohne Scheren von dick auf dünn und umgekehrt zu schalten. Aber – 100 %ig gelingt das nie. Die Restzotteln baumeln dann am Schaf wie an dem sprichwörtlich seidenen Faden. Kommt man an die Viecher mal ran, um ihnen diese provozierenden Bammel abzuzupfen ? Nein, natürlich nicht. Die sind unbestechlicher als ein Schweizer Bankbeamter.

Eines späten Sommerabends hörte ich am Stall, quasi schon auf dem Heimweg, ein Schaf blöken. Blöken tun die öfter, aber – dieses Blöken klang komisch.

Ich ging nachsehen und fand Frau Schaf in einer misslichen Lage vor. Zum Fussballspielen war auf der Schafwiese an dem Tag ein Tor mit Netz aufgebaut worden. Frau Schaf hatte sich so dämlich in diesem Netz verfangen, das ich schon aus der Entfernung sehen konnte – alleine kommt die dort nicht raus. Frau Schaf sah das anders. Ihre Befreiungsmethode, Bocken wie ein Bronco, sah dramatisch aus, verschlimmerte das Ganze aber nur.

Erster Gedanke – den SB holen.

Zweiter Gedanke – es ist schon so spät, wenn ich den jetzt noch störe, bringt der mich um.

Dritter Gedanke – einfach abhauen.

Neee, ich kann und konnte sowas nicht. Ich heule regelmässig bei Filmen wie „Bambi“ und Sendungen wie „Nur die Liebe zählt“ und bremse, wenn eine Rentnerin mit Rollator über den Zebrastreifen wackelt, anstatt die Rentenkassen mit einem beherzt durchgetretenen Gaspedal zu entlasten…also, nacher hängt Frau Schaf morgen tot im Netz, neee…

Ich tat, was getan werden mußte.

Gut, meine letztendlich gewählte Technik war nicht gerade elegant. Aber was sollte ich sonst tun ? Die sanfte Methode à la Anschleichen im Indianer-Stil hatte ja noch nicht mal ansatzweise geklappt. Frau Schaf war gefesselt, aber nicht taub und blind und mein vorsichtiges Annähern quittierte sie mit Bocksprüngen…also, bei einem Pferd hätte ich nach diesen Verrenkern eine Chiropraktikerin holen müssen.

Es mußte also schnell und gnadenlos sein. Mit der Eleganz eines arthritischen Wrestlers deutlich nach dem Erreichen des Pensionsalters schmiss ich meinen zarten Körper auf Frau Schaf.

Ha ! Jaaa, wo ich hinfalle, zappelt kein Schaf mehr ! 🙂

Frau Schaf im Schwitzkasten haltend pulte ich Masche für Masche das Netz von ihren kleinen Hörnchen. Es dauerte eine Weile, aber schließlich war es geschafft. Ich setzte mich wieder auf. Frau Schaf legte eine Kickstart hin, der einen Barrelracer hätte erbleichen lassen.

Das letzte, was ich von ihr sah, waren ihre im Wind wehenden Restfellzotteln, die ich ihr eben gerade noch prima hätte rauszupfen können…

Aber die Gelegenheit war vorbei. Und jedesmal, wenn ich nun am Schafstall vorbeigehe, blökt mich Frau Schaf an und ich behaupte stets felsenfest, das ihr Blöken ein bißchen nach „nänänänäääänääää“ klingt.

Sowas passiert mir nicht nochmal !

3 Antworten to “Neujahrsvorsätze zweiter Teil”

  1. Saint Says:

    Herrlich!Vielleicht wollte sich Frau schaf aber auch bedanken 😀

  2. Yvonne Says:

    das ging ja fix! ich hatte gedacht ich muss dich noch etwas laenger ueberreden…

    bekommen wir irgendwo auch fotos von pferd & pony gepostet? =)

  3. Lissy (vladywostok) Says:

    Ich geb mal Saint recht, ich denke ein zotteliges Schaf ist besser als ein totes. 😀


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