We`ve come a long way…

Januar 6, 2010

Spätsommer 2007

Ein Pferd auf einer Stallgasse. Es ist DAS Pferd, aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das Pferd schreit, das Pferd tanzt herum, das Pferd äppelt einen Haufen nach dem anderen – es macht vieles, nur nicht das, was ich in diesem Moment von ihm will, nämlich die Hufe zum Auskratzen zu geben.

Sämtliche lehrbuchgerechten Tricks schlagen fehl. Ich verlege mich auf Alltagsphysik. Immer dann, wenn das Pferd gerade wieder einen Tanzschritt vollführt, schnappe ich mir das Bein, auf dem gerade kein Gewicht liegt und ziehe es seitlich hoch. Auf diese kräftezehrende bandscheibenverschleißende Weise gelingt es mir, drei von vier Hufen auszukratzen. Den vierten lasse ich dreckig, ich kann nicht mehr und überhaupt: „So ein Scheissgaul, die kann ja nicht mal Hufe geben ! Ich kaufe mir nie einen Appaloosa, erinnere mich bloß daran !“ (in Richtung meines liebsten Lebensgefährten gesagt)

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Januar 2010

Das Pferd und ich betreten nach einem Marsch durch den Schnee die Reithalle. Wir waren seit Wochen nicht mehr hier. Und nun sind wir auch nicht mal alleine, denn jemand anderes longiert sein Pferd in der Halle.

Das Pferd guckt mich an. „So kann ich aber nicht laufen !“

Stimmt. Mit diesem dicken Schneeklotz unter dem einen Huf kann sie wirklich nicht laufen. Einen  Hufkratzer habe ich natürlich nicht dabei, also muß ein Schlüssel vom Schlüsselbund herhalten. Ich tippe an das Bein, das Pferd hebt den Huf, ich versuche, den Schneeklotz mit dem Schlüssel rauszukratzen.

Es gelingt nicht. Ich hocke mich neben das völlig ruhig unangebunden (ground tying zählt nicht 😉 ) stehende Pferd, lege den Huf auf mein Knie, packe den Schlüssel mit beiden Händen. So kriege ich den Klotz aber auch nicht weg, Mist !

Ich stelle den  Huf wieder ab, das Pferd lässt ihn auf der Zehenspitze stehen und guckt mich an: „Na ? Was nun ?“

Kein Hufkratzer weit und breit. Aber ein Stück Holzlatte. Ich bin nicht heikel, wenn`s funktioniert, dann ist mir auch eine Holzlatte recht…

Wieder knie ich mich neben das Pferd, hebe mit zwei Fingern den Huf auf mein Knie. Mit beiden Händen die Holzlatte gepackt steche ich auf den Schneeklotz ein wie Norman Bates auf Marion Crane (ihr wisst schon: Dusche, Messer, Ieeek-iiiiek-iiiiek-Musik…). Das Pferd guckt mir freundlich über die Schulter: „Alles klar bei Dir ?“

Plock, der Schneeklotz fällt raus. Der Huf wird wieder auf dem Boden abgestellt, ich schmeisse die Latte weg und wir können endlich ein bißchen Longenarbeit machen.

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Wie ich diese Verhaltensänderung hingekriegt habe ?

Ganz einfach. Pferdetraining frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man  keine Ahnung hat, wie man sein Pferd zum Hufe geben bringen soll – macht man einfach mal nix.“

Gut, dem Nixmachen ging eine mehrwöchige Fluch- und Kampfphase voraus. Aber hat man erstmal realisiert, das man physisch den Kampf gegen 550 Kilo Tüpfelpower nur verlieren kann, entspannt man sich zwangsläufig. Und entspannt man sich (und macht nix), kriegt  man vom Pferd alles. Sie ist dann da gar nicht geizig !

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