Betriebsblindheit

Februar 3, 2010

Ich kann ja vieles ab. Also, Schmerzen, Krankheiten und Sorgen jeglicher Art – theoretisch alles kein Problem, ich kann das ab, ich wuppe das, ich komme damit klar.

Der Haken ist nur – es müssen Schmerzen, Krankheiten und Sorgen sein, die ich kenne. Beziehungsweise Schmerzen, Krankheiten, Sorgen, bei denen ich weiß, woher sie kommen, was sie bedeuten, wann sie wieder weggehen etc. – auf gut Deutsch:  ich mag nix unbekanntes.

Das Pony hat im Spätsommer angefangen, körperlich ein bißchen abzubauen. An und für sich  nicht schlimm, sie war ja eh immer figürlich im Presswurst-Style unterwegs, mal ein etwas windschnittigeres Aussehen steht ihr gut. Dachte ich damals.

Bloss – die nahm nicht wieder zu, die nahm immer weiter ab ! Ich fing an, ihr stundenweise den Weidemaulkorb abzunehmen, damit sie mehr fressen konnte. Ich fing an, ihr Heucobs zu geben, in stetig steigender Menge. Als sie dann in den Stall kam, bat ich den Stallbesitzer, ihr mehr Heu als sonst zu geben. Die Maßbecher, mit denen ihr Krippenfutter abgemessen wurde (einfache Formel: morgens ein Becher, abends ein Becher) wurden immer größer. Die Heumengen wurden immer riesiger. Ich fing an, Leinöl nicht mehr nur tröpfchenweise über`s Futter zu träufeln, sondern die Pumpe des 5-Liter-Kanisters gleich mehrfach herzhaft über Ponys Futterkrippe zu betätigen.

Hm. Also, das brachte alles nicht wirklich etwas. Letzte Maßnahme war dann etwas, was nun eigentlich nicht nötig gewesen wäre (da ausreichend Winterpelz vorhanden): Pony kriegte eine Decke. Ich dachte, wenn ich schon nicht mehr Kalorien in das Viech reinkriege, dann darf sie eben nicht mehr so viel für die Erhaltung ihrer Körpertemperatur verbrauchen.

JETZT erreichte Pony einen Figurzustand, wo ich mit meinem panischen Weiberaugen wenigstens nicht mehr meinte, das sie noch weiter abnimmt.

Soweit, sogut ?

Nö.

Ich führte am Wochenende ein Fachgespräch mit dem Stallbesitzer hinsichtlich des Futterkonsums vom Pony. Mein Stallbesitzer gehört zu der äußerst seltenen Spezies Stallbesitzer, der es relativ egal ist, wieviel Futter die Pferde bekommen – es ist bei uns immer genug da. No problem there, also.

Allerdings verriet der Stallbesitzer mir auch etwas, was mir bis dahin nicht bekannt war (siehe oben, ich habe Angst vor Unbekanntem !) – Pony säuft. Nicht nur so ein bißchen, sondern richtig, richtig, röchtöööööch viel. (Vorher achtete kein Mensch darauf, aber seit bei uns vor wenigen Wochen die Tränken eingefroren sind, wird aus Bottichen getränkt.) Wesentlich mehr als die anderen Pferde am Stall, die auch allesamt keine Jungspunde mehr sind, dafür aber größer, schwerer und eigentlich damit ja auch durstiger als ein Pony, was nur halb so viel wiegt.

Meine Innere Stimme* , die sich natürlich immer genau solche Gelegenheiten für einen Rückkehr nach monatelanger Abwesenheit aussucht, sprang vor mein geistiges Auge:

“ OH NEIIIIIIIIN ! Das Pony muss stääääääärbähääään ! Die hat bestimmt Altersdiabetes und jetzt mußt Du jeden Tag in den Stall und Blutzucker messen und Insulin spritzen und wehääää, Du vergisst das mal, dann ist das Pony tohooooot !“

Wie gesagt, ich vertrage Unbekanntes schlecht. Nach anderthalb Tagen Hin- und Hergrübelns  rief ich Gutemine an. Gutemine ist die Tierärztin vom Pony und vom Pferd und Gutemine kennt auch mich – gut genug, um zu wissen, das ich es zwar immer gut meine, aber doch gelegentlich hysterisch werde.

– to be continued –

6 Antworten to “Betriebsblindheit”

  1. Yvonne Says:

    du kannst doch nicht einfach nach der haelfte aufhoeren??? jetzt sitze ich den ganzen tag hier und grueble was das pony denn haben koennte? (zaehne vielleicht, magenprobleme – oder doch diabetes?)

    ps. tierarzt fuer mein punktetier kommt auch am freitag. die huefte mal wieder – und ich hatte sooo gehofft dass wir das auskuriert haetten…


    • Ich will nicht spoilern, aber mal soviel: ich bin eine Schisserin. Wenn einer „buh“ sagt, kriege ich fast `nen Herzinfarkt. 😉

      Was hat Dein Punktetier denn bloß wieder angestellt – sich jetzt `nen Krankenschein holen, wo doch langsam Frühling (=Reitwetter) einkehrt ?

  2. Emma41 Says:

    Da muß ich Yvonne recht geben. Büüüüüüüde schreib doch recht bald weiter.
    Und übrigens noch gute Besserung für’s Pony und auch für dich, zumindest für deine Nerven.


    • Für meine Nerven, glaube ich, müßte ich täglich einen Liter Rescue-Tropfen trinken. Neulich habe ich mal überlegt – jetzt bin ich seit ziemlich genau sieben Jahren Ponybesitzerin und sch*** mich immer noch gleich ein, wenn mal was ist. 😦 Frage mich ernsthaft, wieviele Jahrzehnte ich noch brauche, bis ich nicht mehr beim kleinsten Hüsterchen vom Pferd/Pony gleich den Abdecker rufen will.

  3. Sabine Says:

    oh je, armes Ponytierchen. Ich hoffe es sind nur normale Alterserscheinungen und Pony bekrabbelt sich zum Frühjahr wieder. Ich denk an euch… (Knuddel das Pony und knutsch mal das Pferd von mir :-))


    • Hihi, ich glaube, wenn ich dem Pferd liebe Grüße von Dir bestelle, wird sie mich wieder mit einem dieser unsäglich vorwurfsvollen Blicke anschauen: „Frauchen, hast Du vergessen, was die das letzte Mal gemacht hat, als sie da war ? Ich musste aaaaaarbeiten !“


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