Reingefallen

Februar 11, 2010

Da möchte man nun meinen, alleine die Tatsache, das ich selbst weiblich bin, müßte mich schon in gewisser Weise qualifizieren. Das heißt, insoweit, als das ich alleine aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit besser als Männer in der Lage sein sollte, die weibliche Psyche zu durchschauen.

Und wenn schon nicht diese Tatsache, dann vielleicht  jene: sämtliche wichtige Pferde in meinem Leben waren bisher Stuten.

Kein Scherz ! Nur Weiber !

Angefangen von der kräftigen Norwegerstute, auf der mir die Heldin meiner Kindheit die erste halbwegs ordentliche Longenstunde erteilte, über die Mutter vom Pony und das Pony selber bis hin zum Pferd.

Vor dem Kauf des Pferdes flüsterte mir meine Innere Stimme  zu, das es vielleicht doch besser ein Wallach werden solle. So von wegen „der ist nicht so hysterisch-hormongesteuert“, „der ist unkomplizierter im Umgang“ etc.etc.

Aber neeee, die Nachfolge vom Pony wurde durch das Pferd, eine äußerst stutige Stute (und schon Mama – Mist, noch etwas, was mir das Pferd voraus hat !) angetreten.

(Ich höre zu selten auf meine Innere Stimme.)

Und das Pferd ist sooo lieb und sooo schmusig. Und bislang hat dieses ach-so-liebe Pferd noch JEDEN um den Finger wickeln können, einschließlich Gutemine. Und das will was heißen, denn Gutemines Jagdschema geht mehr in Richtung großrahmig, dunkelbraun und warmblütisch gebrannt.

Harhar ! Alles nur Tarnung !

Dieses liebe schmusige Pferd ist ein ganz durchtriebenes, raffiniertes Luder !

Und jedes Mal, wirklich j-e-d-e-s Mal, so auch heute, falle ich auf ihre Scharade „lieb-harmlos-schmusig-tüpfelig“ herein.

Wir blenden über zum Stall, und uns bietet sich folgende Szenerie:

Das Pferd hat nach einer äußerst „anstrengenden“ zentrifugischen Trainingseinheit Feierabend, steht in der Box und frisst Heu.

Cowgirl in all ihrer stallkluftigen Pracht (der Panzer-Kombi ist immer noch en vogue in Cowgirlhausen) sieht das Pferd, denkt:

„Oooooooch, die Aaaaarme ! Die hat wohl schon ihre Handvoll Krippenfutter aufgefressen, der werfe ich jetzt noch ein paar Möhren rein und träufele etwas Leinöl drüber…“

(merke: auch so können sich Mutterinstinkte äußern – man füttert alles, was sich  nicht schnell genug den Mund zuklebt)

Gesagt, getan, das Pferd widmet sich glücklich dem unerwarteten Zwischenimbiss.

Und Cowgirl geht weiter den Hof enteisen.

Als Cowgirl entkräftet und erschöpft, aber gut durchgewärmt, zurück zur Box des Pferdes geht, streckt dieses den Kopf über die Boxentür.

In ihren Augen schimmert der allerschönste  Bambi-Blick, zu dem sie fähig ist. Dieser Blick, der so samtig-liebevoll ist, das man damit Tresortüren schmelzen könnte. Dieser Blick, bei dem Cowgirl immer….na, lassen wir das.

Jedenfalls stellt sich Cowgirl müde und dankbar für die vom Pferd quasi „angebotene“ Pause vor die Boxentür. Sie fängt an, dem Pferd den Kopf zu kraulen. Pferd wiederum vermittelt Cowgirl durch geschicktes Kopfdrehen die optimale Kraulposition. Diese befindet sich heute, sehr ungewöhnlich für das Pferd, anscheinend direkt auf Oberlippe und Kinn des Pferdes.

(Hier haben wir jetzt den Punkt erreicht, an dem eigentlich das Alarmgeheul meiner Inneren Stimme eine Lautstärke von  120 Dezibel hätte überschreiten sollen. Es aber nicht tat. Hrmpf. 😦  )

Cowgirl krault. Und das Pferd dreht und wendet den Kopf, stupst Cowgirl mit der Nase an und Cowgirl freuuuuut sich, das das Pferd heute ja so superschmusig ist und überhaupt ist alles rooosa und wunderschön heute abend. Ein Schmusepferd ist was Feines !

Jahaaa. Sischer.

Als Cowgirl endlich nach schier endlos scheinender Zeit ihre Hand vom Pferdekopf wegzieht, sieht sie dieses merkwürdige Glitzern in den Augen des Pferdes.

Uh-oh ! Das ist kein gutes Zeichen ! Dieses Glitzern kennt Cowgirl aus stressigeren Zeiten und Cowgirl weiß auch ganz genau, was dieses Glitzern bedeutet.

Das Pferd hat es mal wieder geschafft. Pferd hat zum x-ten Mal bewiesen, das eine Handvoll Hirn in Kombination mit Tüpfeln und Liebgucken völlig ausreicht, um die ach-so-instinktsichere Cowgirl total einzulullen.

Die Hand von Cowgirl, der Ärmel des Panzerkombis und so ziemlich die ganze rechte Oberkörperhälfte des Panzerkombis sind völlig  leinölverschmiert.

Was nunmehr fast komplett ölfrei und wunderbar sauber ist, ist die Schnauze des Pferdes, welches sich nach einem sehr befriedigt aussehenden „Ätsch, reingefallen !“-Blick wieder dem Heu widmet…

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6 Antworten to “Reingefallen”

  1. Sabine Says:

    *grins* Jau, da kann man nix anderes sagen, das Pferd ist schon eine ganz schön ausgebuffte Stute.

    Übrigens, neben dem schwarzen Monster meiner Freundin, die einzige Stute die ich so richtig lieb habe.


  2. Seht ihr, Leute, seht ihr ? Noch so ein Opfer ! Und der Beweis dafür, das Pferd selbst eingefleischte Wallachfans erfolgreich umgarnen kann. 🙂

  3. Yvonne Says:

    hmm, koennte sie evtl. meinem wallach nachhilfe unterreicht geben? bei dem wuerde oben beschriebene szene so aussehen:

    heutige arbeitseinheit in der halle beendet, punktetier schoen warm verpackt und in seiner box geparkt – ich im gegenzug komplett durchgefroren und haende halb taub (wo ich mal wieder meine handschuhe hingepackt habe, wuerde ich auch gerne wissen). meine wenigkeit denkt sich daher „hach, galu macht das ja auch immer – also steck ich doch mal meine haende unter die decke vom punktetier“. ich naehere mich also der box, punktetier erwartet mich mit leuchtenden augen (mehr ist leider im normalfall eh nicht drin, sowas wie ein begruesungswiehern hebt sich der herr wahrscheinlich nur fuer president obama auf). ich mache die tuer auf, pferd streckt mir seinen kopf entgegen, schnuppert, schnuppert laenger, und noch laenger, sieht mich dann ganz vorwurfsvoll an mit diesem „wie, keine moehren dabei?“-blick – und verzieht sich in die hinterste ecke um sich seinem heu zu widmen. *seufz*


    • Bei einem Wallach sehe ich da wenig Trainingsmöglichkeiten, ich meine, hey, er ist doch – auch klötenlos – immer noch irgendwie ein Mann und als solcher eher unschmusig…aber Züchter vom Pferd hat vielleicht noch Pferds Töchterchen (bezaubernde Fuchsstute). Die scheint ein ähnliches „in-your-pocket“-Pferd zu werden wie ihre Mama. Bei Bedarf gebe ich gerne die Telefonnummer weiter. 🙂

  4. ethotraining Says:

    Sehr sehr lustig und realitätsnah geschrieben 😉 Ach, wie kenne ich diese Situationen…


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