Robinson und ihr Freitag II

Mai 5, 2010

…und fing an zu schreien:

„Ein anderes Pferd ! Eine Artgenossin ! Ich kenne Dich, komm` rauf hier ! Schneeeeeeellll ! Ich bin hier ganz alleine, bitte kohooooom !“

In den Augen ein Ausdruck wie Robinson, als er Freitag fand.

Einerseits – hmmm, naja. Andererseits – hm, scheissegal, ein Artgenosse !

Das Pony – mittlerweile soweit, das sie nicht mehr groß protestiert, wenn ich Unmögliches von ihr verlange – guckt mich an:

„Sach` mal, is` das Dein Ernst ? Ich zu DER ?“

Mit dem fröhlichsten falschen Lächeln, zu dem ich fähig bin, schickte ich das Pony auf den Hänger, band es fest, richtete ein paar mahnende Worte („Nicht gegenseitig auffressen, klar ? Pferd, Du lässt die Kleine in Ruhe, sonst geht`s zurück auf den Schulpferdhartgeldstrich !“) an die beiden, Klappe zu und auf zu Dorfrunde Nummer zwei.

Zurück auf dem Hof, Klappe auf und Wunder über Wunder, beide leben noch, haben sich nicht gegenseitig aufgefressen und das Pony war sogar so nett, dichtzuhalten. Im Gegensatz zum Pferd.

Selbige gibt sich selten soviel Mühe beim Gestalten von Fäkalkunstwerken wie bei/nach einem Transport. Ein Haufen ist Minimum, je nach Fahrtlänge auch zwei oder drei. Und da das Pferd traditionell auch hinten behufglockt ist, ergeben sich in Kombination mit ihren Trippelschritten ganz erstaunliche Formenwerke.

(Gedankennotiz: schwarze Hufglocken sind gut, dunkelblaue auch. Aber das Auftragen der Winterhufglocken, leuchtend neonorange mit Reflexstreifen beim Verladen und Transportieren, das ist keine gute Idee. So rein farblich gesehen jetzt nach dem jüngsten Transport…)

Rein ist schwieriger bei uns, aber raus geht immer. Jede der beiden Weiber hat ihre ganz besondere Aussteigetaktik.

Das Pferd: sobald hinten die Stange raus ist, wird in Lichtgeschwindigkeit rückwärts gegangen, bis man den Kopf aus dem Anhänger hat. Dann – Kopf hoch und Rundumblick. Wo bin ich hier ? Wo sind andere Pferde ? Sie ist immer sehr erleichtert, wenn sie wenigstens andere Pferde sieht, da kann die Umgebung auch ruhig neu sein…an diesem Wochenende sagte ihr Blick aber was anderes:

„Sach` mal, aber sonst geht`s danke, wa` ? So ein Theater und dann sind wir wieder ZU HAUSE ? Was soll DAS denn ???“

Das Pony: pragmatisch. Verladen bedeutet irgendwann auch wieder ausgeladen werden.

Und Ausgeladen bedeutet, das der Mensch im Moment des Ausladens vielleicht mal für eine Sekunde nicht ganz 100%ig aufpaßt, sondern nur 99% Aufmerksamkeit hinbekommt. Das reicht ihr schon.

Ehe ich noch „Ey!“ schreien konnte, hatte sich das Pony mit einem geschickten *zupf* am Führstrick genau den Freiraum erkauft, den es brauchte, um sofort direkt neben der Rampe den Kopf in`s Gras zu stecken und unverzüglich mit dem Fressen zu beginnen…

————————-

* die mit den Hufen, nicht die mit den Reithosen. (Obwohl…wenn ich mir den Hintern vom Pferd so angucke…)

** im Sinne von: Pferd binnen weniger als 45 Minuten auf dem Hänger und ich nicht kurz vor`nem Kreischkrampf

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