Motivationsloch

Juni 30, 2010

Nicht nur das Pferd hat keinen Bock zu gar nichts (außer den Essentials wie fressen, saufen und wälzen). Auch ich nicht. Muß am Wetter liegen. 🙂

Es ist so heiß, das sogar das Pony sich mit nur minimalem Hin- und Hertrippeln die Beine zu Erfrischungszwecken kalt abspritzen liess. Sonst ist sie der Meinung, das Wasser außerhalb der Tränke eine todbringende, ponyfressende Flüssigkeit ist und der Wasserschlauch the german version of a rattlesnake.

Aber bei diesem Wetter macht auch Pony mal eine Ausnahme.

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Schade, ich hatte mich ehrlich gefreut. Schließlich hofft man, oft wider besseres Wissen, das neue Geschäfte vielleicht auch tatsächlich mal etwas Neues oder etwas zumindest nicht schon gefühlt an jeder Straßenecke Angebotenes haben.

Aber nein, der Equiva-Laden entsprach gänzlich meinen Erwartungen. Ein Laden mit Standardsortiment, vielen bekannten, üblichen, überall anders auch erhältlichen Markensachen (zu den üblichen Preisen) und wenigen, aber unspannend bepreisten Eigenmarken. Überwiegend natürlich für Englischreiter, es hingen zwar auch einige Artikel für Westernreiter herum, die hatten aber imho mehr Alibi-Funktion („schaut her, wir haben auch etwas für die Kuhschubser !“).

Nett war allerdings die Verkäuferin, die nur kurz fragte, ob sie helfen könne, mich dann aber in Ruhe stöbern ließ. Nachdem sie meine neugierigen Blicke in Richtung der Trensen, die gerade im Sonderangebot waren (und mir vor allem wegen ihres schon fast orange schimmernden Leders auffielen…dabei nennt man die Farbe doch „london“, oder ?), bemerkt hatte, versuchte sie vorsichtig, ein Verkaufsgespräch zu beginnen – ich zog kurz die Hosenbeine hoch, ließ unsexy meine staubigen, aber immer noch leuchtend türkisfarbenen Stiefelschäfte aufblitzen:

„Sorry, ich gehöre seit einigen Jahren nicht mehr zu ihrer Zielgruppe…“

Sie wurde mir gleich noch symphatischer, als sie darüber wenigstens ein bißchen lachte. 🙂

Die Stallkatze beim Ansitzen auf Mäuse.

Nein, ich mache mir da nichts vor – sporenreif im klassischen Sinne * bin ich nicht, werde ich aus verschiedenen Gründen wohl auch nie werden. Hindert mich allerdings nicht daran, gleich drei Paar Sporen zu besitzen. 😉

Ähnlich wie meine Kandaren (derer ich ebenfalls gleich drei besitze…*hüstelhüstel*) kommen die liebevoll „Meinungsverstärker“ oder „stichhaltiges Argument“ genannten Dinger trotzdem zum Einsatz. Wie oft ? Na, oft genug, um keinen Rost anzusetzen, selten genug, um sie etwas ganz Besonderes sein zu lassen, so ähnlich wie weiland der Besuch einschlägiger Erbtanten, bei denen man als Kind nie weiß: kriegt man da jetzt was zugesteckt oder eine Backpfeife ?

Das Pferd hatte kürzlich jeweils einen Eiditei- und einen frauchenfreien Tag hinter sich und schien gut gelaunt und motiviert zu sein.

Oooh ja, motiviert war sie an diesem Tag. Ka-tschuummmmmmm ! So ihre Reaktion auf jegliche Hilfengebung meinerseits, die irgendwie etwas mit Vorwärtsbewegung zu tun hatte und mir wurde Angst und Bange bei dem Gedanken an das, was ich für später, nach der Geländerunde geplant hatte:

ich wollte unseren Winterauslauf zweckentfremden und etwas Dressur imitieren. Ja, wenn ich ehrlich sein soll, ich wollte ansatzweise so etwas wie „Galopparbeit“ betreiben und gedachte, mich und Pferd in gesittetem Angaloppieren zu schulen.

(In umzäunten Gebiet fühle ich mich immer sicher[er], da kann man mal was riskieren. Galopp, uiuiui !)

Aber Pferd ist ja nicht doof. Sie weiß, wenn sie gesattelt auf den Winterauslauf geführt wird, bedeutet das nur eines: Arbeit.

Arbeit ist etwas, was es in der Welt des Pferdes tunlichst zu vermeiden gilt. Arbeit bedeutet Schweiß, weit mehr und andere Bewegung, als dem Pferd sinnvoll erscheint und überhaupt, wenn die Reiterin da auf einem oben drauf sitzt, herumfuhrwerkt und macht und tut…dann kann sie nicht das tun, wozu sie nach Pferdesmeinung da ist, nämlich Leckerchen geben und Euterkraulen.

So als Pferd, mit den beschränkten sprachlichen Möglichkeiten, die einem naturgegeben sind, kann man sich dem Dämon „Arbeit“ eigentlich nur durch eine Maßnahme entziehen.

– to be continued –

Amen, Sister !

Juni 21, 2010

Boots

Juni 21, 2010

Von rechts nach links: past, present und future bzw. meine Stiefel aufsteigend nach Tragehäufigkeit geordnet.

„future“ sind Double-H-Boots (und future ist fast gelogen, die Boots werden gerade eingetragen für den alltäglichen Stall- + Reiteinsatz). Eigentlich wollte ich die vor ein paar Wochen gar nicht kaufen, ich fand die spontan ganz grauenhaft, rein optisch gesehen wenigstens.

Aber wenn es eine besondere Lektion gibt, die mich das Pferd seinerzeit gelehrt hat, dann die:

niemals etwas nur nach dem Äußeren beurteilen. *

Und diese Stiefel haben zwar eine für meine Augen immer noch äußerst tuckige Farbgebung, aber dieses Fußbett reisst alles wieder raus. So bequem und anschmiegsam, das fühlt sich beim Gehen an wie eine Umarmung – nur halt horizontal und unter`m Fuss anstatt vertikal von einem lieben Menschen. Hach ! Definitiv eine Kaufempfehlung wert und sobald ich wieder ein paar Euronen übrig habe, kriegen die Dinger Geschwister.

—-

* dann schon eher nach dem Kaufpreis 😉

Rangfolge

Juni 18, 2010

Man bildet sich gerne ein, man sei irgendwie wichtig für die Pferde. Schließlich bezahlt man ihnen Obdach, Verpflegung und medizinische Versorgung sowie ein mehr oder minder ausführliches Freizeitprogramm inkl. 24h Gesellschaft einer kleinen Schar handverlesener, friedfertiger Artgenossen. Das wir einen Wallach in der Herde haben, der auch über anderthalb Jahrzehnte nach seiner Kastration immer noch daran glaubt, er sei ein ganzer Kerl – das will ich mal gar nicht weiter vertiefen, aber es steht zumindest fest, das sich meine Stuten auch  in Bezug auf fehlende Aufmerksamkeit von Seiten des anderen Geschlechts nicht beschweren können.

Viel will man ja nicht für diese De-luxe-Betreuung. Ein bißchen Kooperation von seitens der Vierbeiner, ein bißchen Glaubensvermittlung in Richtung des Gedankens, man sei tatsächlich in der Lage, mittels einiger Nylon- oder Lederriemchen und/oder  einem Stückchen Metall in der Schnut diese halbe Tonne Lebendgewicht irgendwie zu beherrschen.

Ja, ab und an schafft man es tatsächlich einmal, zumindest für einen Moment davon überzeugt zu sein, die Pferde würden einen mögen, eventuell sogar gern haben ! Diese Momente sind durch schmelzende Blicke aus unglaublich tiefen, dunklen, feuchten Augen, durch leises Blubbern und hömm-hömm-hömm sowie dem einen oder anderen sanften Nasenstubser gekennzeichnet.

Und dann gibt es noch Tage wie heute.

Ich komme zum Stall. Nur friedliche Gedanken im Kopf, die alle in Richtung „heute nur Eiditei, kein Reiten“ gehen und die Gewissheit, das ich außer meinen beiden Weibern heute auch noch ein drittes, die Stute einer Miteinstellerin, zu betüddeln habe.

Halfter über der Schulter, große Futterschüssel in der Hand, ich gehe über den Winterauslauf zur Wiese und rufe die Pferdenamen, normalerweise die Garantie für die Auslösung einer mittleren Stampede. Außer den drei angesprochenen Stuten fühlt sich im Normalfall nämlich auch noch der Rest der Herde zum Kommen ermutigt, man könnte ja was verpassen, nicht wahr.

Aber: Kommt irgendein Pferd ? IRGENDEINES ?

Nein ! Da hat der Stallbesitzer einen neuen Weidestreifen aufgemacht und die Pferde geben mir ohne ein Wort zu verstehen:

„Duhuuuuu…wir können jetzt gerade nicht. Im Pferdealphabet kommt „Fressen“ immer vor „Frauchen“.“

Träumen darf man !

Juni 17, 2010

Das Pferd hat unglaublichen Respekt vor Kühen.

Ich könnte mit einem Rope nichts einfangen, selbst wenn mein Leben davon abhinge.

Beste Voraussetzungen also, um beim Schauen eines solchen Videos den sprichwörtlich tropfenden Zahn wegen akutem „Willauch“-Bedürfnis zu kriegen:

Und da mich für gewöhnlich bei meinen Dressurimitatversuchen auf unserer Reitwiese (= der unkrautbewachsene Winterpaddock) sowieso niemand sieht, war ich heute so frei, schon mal damit zu beginnen, das Pferd an ein rechts und links von ihr kreisendes Seil zu gewöhnen. Vom Sattel aus, natürlich, vom Boden her kennt sie das schon.

Warum ?

Also bitte.

Ich kann nicht reiten. Da werde ich ja wohl auch noch mal nicht ropen können dürfen, das macht den Kohl schließlich auch nicht fetter  !

Ich komme dann in einem halben Jahr nochmal darauf zurück.

Geständnis

Juni 14, 2010

Foto geklaut gefunden bei http://www.fdsaddlery.de