Rangfolge

Juni 18, 2010

Man bildet sich gerne ein, man sei irgendwie wichtig für die Pferde. Schließlich bezahlt man ihnen Obdach, Verpflegung und medizinische Versorgung sowie ein mehr oder minder ausführliches Freizeitprogramm inkl. 24h Gesellschaft einer kleinen Schar handverlesener, friedfertiger Artgenossen. Das wir einen Wallach in der Herde haben, der auch über anderthalb Jahrzehnte nach seiner Kastration immer noch daran glaubt, er sei ein ganzer Kerl – das will ich mal gar nicht weiter vertiefen, aber es steht zumindest fest, das sich meine Stuten auch  in Bezug auf fehlende Aufmerksamkeit von Seiten des anderen Geschlechts nicht beschweren können.

Viel will man ja nicht für diese De-luxe-Betreuung. Ein bißchen Kooperation von seitens der Vierbeiner, ein bißchen Glaubensvermittlung in Richtung des Gedankens, man sei tatsächlich in der Lage, mittels einiger Nylon- oder Lederriemchen und/oder  einem Stückchen Metall in der Schnut diese halbe Tonne Lebendgewicht irgendwie zu beherrschen.

Ja, ab und an schafft man es tatsächlich einmal, zumindest für einen Moment davon überzeugt zu sein, die Pferde würden einen mögen, eventuell sogar gern haben ! Diese Momente sind durch schmelzende Blicke aus unglaublich tiefen, dunklen, feuchten Augen, durch leises Blubbern und hömm-hömm-hömm sowie dem einen oder anderen sanften Nasenstubser gekennzeichnet.

Und dann gibt es noch Tage wie heute.

Ich komme zum Stall. Nur friedliche Gedanken im Kopf, die alle in Richtung „heute nur Eiditei, kein Reiten“ gehen und die Gewissheit, das ich außer meinen beiden Weibern heute auch noch ein drittes, die Stute einer Miteinstellerin, zu betüddeln habe.

Halfter über der Schulter, große Futterschüssel in der Hand, ich gehe über den Winterauslauf zur Wiese und rufe die Pferdenamen, normalerweise die Garantie für die Auslösung einer mittleren Stampede. Außer den drei angesprochenen Stuten fühlt sich im Normalfall nämlich auch noch der Rest der Herde zum Kommen ermutigt, man könnte ja was verpassen, nicht wahr.

Aber: Kommt irgendein Pferd ? IRGENDEINES ?

Nein ! Da hat der Stallbesitzer einen neuen Weidestreifen aufgemacht und die Pferde geben mir ohne ein Wort zu verstehen:

„Duhuuuuu…wir können jetzt gerade nicht. Im Pferdealphabet kommt „Fressen“ immer vor „Frauchen“.“

2 Antworten to “Rangfolge”

  1. Emma41 Says:

    🙂 Meine Tüpfeltante verwendet das gleiche Alphabet 🙂

  2. eps Says:

    Schön beschrieben! Auch wenn es so ist, die Natur braucht uns nicht…. *cry*

    LG, eps


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