Pferd zu verkaufen

April 6, 2011

Nein, nicht meines, sondern das einer guten Freundin.

Sie hat ihr Pferd bei ehorses.de unter der Anzeigennummer 256969 eingestellt.

Eine todschicke, sehr kluge Stute, von der Attitüde her etwas hoheitsvoller als „das Pferd“ 😉

Als Jungpferd direkt vom Züchter gekauft und seitdem immer scheckheftgepflegt + sehr artgerecht mit viel Auslauf gehalten. Herdenverträglich.

Ich habe mal auf dem Reitplatz draufgesessen – und war überrascht, wie fein sie eingestellt ist. Obwohl sie sonst nur von ihrer Besitzerin im Gelände geritten wird, kam ich auf Anhieb mit ihr zurecht. Die Stute bemüht sich extremst, einem alles recht zu machen, ein ausgesprochen aufmerksames Pferd, trailmässig sehr begabt.

Sie wäre das perfekte Pferd für eine/n anspruchsvolle, hauptsächlich an längeren Geländeritten interessierte/n Freizeitreiter.

Warum ich das Wundertier nicht selbst kaufe ?

Ganz einfach. Es fehlt an Zeit, vor allem aber an Geld. 😦

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Immer ich !

Oktober 3, 2010

Mitleid bitte, Mitleid ! 🙂

Reiterralley bei bestem Oktoberwetter.

Im letzten Jahr war noch alles dabei – Regenmantel am Sattel, Wechselklamotten im Auto.

In diesem Jahr die Sparausstattung, soll heißen: das, was Pferd und ich am Leib trugen und sonst nichts.

Überflüssig zu sagen, das wir dieses Jahr natürlich wettermässig gesehen die goldene A-Karte gezogen hatten: allgemein diesiges Wetter mit Regenschauern, Wind und…na, Kälte nicht, aber Kühle.

Und wenn solche lustigen Aufgaben kommen wie der Colakistenslalom, wo man sozusagen über sein Pferd von Kiste zu Kiste klettern muß…

…auf wen wird da gezeigt ?

Genau. Auf die mit dem kleinsten Pferd im Team.

„Mach` Du mal, Du hast doch ein cooles Westernpferd !“

Die arme Pferd war ganz verwirrt.

„Frauchen, rauf oder runter ? Kannst Du Dich mal bitte entscheiden ?“

Ruhig, ganz ruhig II

August 18, 2010

aus den Kommentaren:

„wie kriegst du denn die tuepfeltante ruhiger wenn kein stoppelfeld zur verfuegung steht?“

Fortsetzung:

2. gemeinschaftlich ausreiten

Da ist „ruhig“ gar kein Thema. Das Tüpfelmädchen ist dann ganz Herdentier und einfach nur glücklich, das sie nicht alleine ist.

Praktisch veranlagt (=faul) wie ich bin, nutze ich das in Phasen vermehrter Hibbeligkeit beim Pferd gnadenlos aus. Die größten Probleme (=Schreckobjekte) schrumpfen auf Shettygröße, wenn bloß jemand anderes noch mit dabei ist. Egal, ob es ein großer Warmblutwallach mit mäusekleinem Herzen (erschreckt sich gerne, leicht und schnell), eine arabische Zickenstute oder meinethalben auch der Kerl zu Fuß ist.

Hat man unter dem imaginären Schutzschirm, den eine Begleitung für das Pferd darstellt, erfolgreich das Programm „ich bin sicher, wenn Frauchen dabei ist“ installiert, kann man viel leichter daran arbeiten, sich auch alleine den alltäglichen Ausritt- und sonstigen Gefahren zu stellen. Bietet sich daher für Dich die Gelegenheit, sich an einen erfahrenen anderen Reiter und sein hoffentlich bierruhiges Pferd dranzuhängen – unbedingt machen. Schaden tut`s auf keinen Fall, für den Anfang eine solche „Krücke“ zu benutzen. Man darf sich nur nicht dauerhaft davon abhängig machen.

Mit Begleitern beim Ausreiten habe ich es hinbekommen, das ich nicht immer gleich das große „P“ in den Augen habe, wenn das Pferd hektische Tage hat. Es sieht noch nicht 100% harmonisch aus, wenn ich das Pferd an einem dieser Tage ausreite oder – Steigerung – dabei sogar versuche, sie zu einem nicht Hamburg-Bahrenfeld-würdigem * Trab zu überreden. Aber ich bin zuversichtlich, das sich dies mit etwas mehr Praxis irgendwann erledigt haben wird – und damit tut sich auch schon gleich eine weitere „Methode“ auf, mit der man das Tüpfelmädchen ruhiger bekommt, Stichwort „stures Machen“, dazu schreibe ich später nochmal etwas.

– to be continued –

———————-
Hamburg-Bahrenfeld: da gibt es eine Trabrennbahn. Und wenn das Pferd und ich einen dieser unsäglichen „Huääääch-ich-muß-weg“-Paniktage haben, dann wird das Pferd zum Renntraber, wenn man nicht aufpaßt. Bin mir sicher, das ein entsprechend kundiger Gangpferdereiter sie dann auch in einen Rennpaß legen könnte, will dieses Gespenst aber gar nicht weiter beschwören…

Ruhig, ganz ruhig… I

August 12, 2010

aus den Kommentaren:

„wie kriegst du denn die tuepfeltante ruhiger wenn kein stoppelfeld zur verfuegung steht?“

Gute Frage. Kommt immer darauf an, WIE unruhig das Pferd ist – es gibt Zustände, aus denen kriege ich sie wieder problemlos raus, dann solche, die etwas Arbeit erfordern und dann noch solche, die ich bislang als hoffnungslos ansehe. *schäm*

Ich schildere das mal an Beispielen:

1. alleine ausreiten

Grundsätzlich kein Problem, Pferd ist allerdings etwas mehr „on the edge“ als in Gesellschaft, soll heißen, mehr Grundanspannung.

Lösung: selber ruhig bleiben.

Nicht einfach, aber mit der Zeit bekommt man es hin – man übt sich in Selbsthypnose à la „ich bin ganz ruhig. Alles ist in Ordnung.“, Sachen wie bewußtes Atmen (tief in den Bauch hinein) etc. helfen auch.

Dann – technisch aufrüsten. Heißt bei mir:

– Reithelm + Schutzweste. Wenn man fällt, sind die wichtigsten Partien geschützt.

– Handschuhe. Man kann den „Grip“ an den Zügeln nicht so leicht verlieren, falls das Pferd sich auf`s Gebiss legt und abgehen will. Außerdem hat man eine bessere Chance, die Zügel in der Hand zu behalten, falls man fällt.

– Vorderzeug. Wenn man fällt und auch der Custom-Made-Sattel zu verrutschen droht, verhindert das Vorderzeug den „worst case“, nämlich den unter den Pferdebauch rutschenden Sattel. (so zumindest meine stille Hoffnung, ausprobieren mußte ich das noch nicht)

– Gamaschen an allen vier Beinen, zumindest dann, wenn man mehr als die übliche Schrittbummelrunde um`s Dorf reiten will. Keine Ahnung, wie`s bei anderen Pferden ist, aber mein Pferd achtet NICHT mehr darauf, wo und wie es seine Füsse setzt, wenn erstmal Angst da ist. Sie ist dann ganz Fluchttier und muß ganz dringend weg.

Der Trick dabei ist dann nämlich, das man sich völlig ruhig sagen kann: „Ich habe alles Technische für die Sicherheit getan, was möglich ist – es kann jetzt nichts mehr passieren.“ (kann`s natürlich grundsätzlich doch, muß man sich selber aber ja nicht unbedingt dran erinnern… *grins*)

Dann – selber vorausschauender reiten. I.d.R. kennt man ja sein Ausreitgelände nach einiger Zeit und weiß, wo die klassischen Erschrecker lauern.

So gibt es z.B. mehrere Grundstücke mit freilaufenden und stimmgewaltigen Hunden bei uns im Dorf.
Tauchen die ohne Vorwarnung auf und machen Rabatz, kann auch das eigentlich hundefreundliche Pferd einen Schrecksatz machen.

Ich schaue, ob die Hunde sichtbar sind und wenn ja, fordere ich das Pferd mit ein, zwei leichten Impulsen von Stimme, Schenkel und ggf. Zügel auf, sich doch bitte einen Ticken mehr auf mich zu konzentrieren. (gut, um ehrlich zu sein, ich mache das auch dann, wenn ich die Hunde nicht sehe…)
Wenn Pferd gerade einen ruhigen Tag hat bzw. das Wetter entsprechend günstig ist (also nicht windig), dann reicht auch das schlichte Ansprechen à la: „Pferd, paß bitte auf, da vorne wohnt der Hund.“

Das Pferd hat eine gewisse Grundangst vor dem Alleinesein. Macht man ihr klar, das sie NICHT alleine ist (wodurch auch immer – Stimme, Schenkel, Zügel…), das „ihr“ Mensch bei ihr ist und Hüfchen hält, dann ist eigentlich schon alles geritzt. In Gesellschaft ist Pferd mutig, gelassen und im Einklang mit dem Universum, dann geht praktisch alles.

– to be continued –

Move into the punch II

August 9, 2010

So kam es dann zum inneren Dialog, „good cowgirl“ versus „bad cowgirl“:

GC : Du solltest jetzt besser absteigen und nach Hause führen. Du bist so aufgewühlt jetzt, Du tust gleich wieder was, was Du nachher bereust. Und Pferd kann und weiß es doch nicht besser, DU bist schuld, wenn das nicht so klappt, wie es soll.

BC: Ey, aber sonst geht`s noch, ja ? Der Mistbock hat gefälligst zu funktionieren und zu machen, was DU sagst ! Verwöhntes Blagenmistviech, sowas von stur und es ist ja wohl nicht so, das der Scheissdrecksgaul
nicht langsam galoppieren könnte, die WILL bloß nicht ! Zeig dem Klepper, wo der Hammer hängt !

Ich habe mich dann mit mir selbst auf einen Kompromiss geeinigt.

Nicht absteigen, nicht nach Hause führen, aber auch nicht mit Gewalt was durchsetzen…ich habe
einfach ein kurzes Gebet gen Himmel geschickt, das ich bitte noch nicht heute sterben möchte (und bitte auch keine schweren Verletzungen außer eventuelle Ego-Schäden davontragen möge).

Das Stoppelfeld „du jour“ war schon weitestgehend abgecheckt, keine größeren Löcher (bzw. das, was es gab, gedachte ich kunstvoll zu umgehen), keine allzu üblen Treckerspuren.

Und dann habe ich einfach die Zügel langgemacht, mich hingesetzt (nicht wie sonst leicht entlastend, sondern wie von einer bösen noch nicht ganz so alten Frau mal angeraten und ich gebe zu, ein bißchen „böses“ Cowgirl hat da auch mitgespielt – Grundgedanke: soll das Pferd sich doch ruhig etwas
anstrengen !) und das Pferd laufen lassen.

Es sah erstmal nicht schön aus. Das Feld wurde doch sehr schnell sehr kurz und wie wir dann jeweils kurz vor Feldende in die Wendung gezirkelt sind, war auch kein Meilenstein der bundesdeutschen Reiterei, neinnein.

Aber als erstmal der Groschen gefallen war – bei mir der „galoppieren ist möglich ohne zu sterben“-Groschen und beim Pferd der „shit, ich muß tatsächlich mal mehr galoppieren als 50 Meter am Stück ? Ieeeeh, das ist ja
anstrengend, da sollte ich vielleicht doch mal eher hinhören, wenn der weibliche Passagier Cowgirl
„eaaaaasy“ sagt“-Groschen – …..

ja, also dann war`s noch recht schön. 🙂

Ich habe Pferd zwei, drei Runden galoppieren lassen, bis ich merkte, das sie etwas müde wurde und wieder „hörte“, dann bin ich noch einmal Stoppelfeld rauf und runter und habe dabei zwei, drei Mal nochmal Gas und
Bremse auf ihre Funktion hin überprüft (DANN ging`s !) und dann war auch Feierabend.

Schön anzusehen war das für einen außenstehenden Betrachter nicht und ich bin auch nicht so sehr stolz darauf, das ich das derart unelegant (und wohl auch nur temporär) gelöst habe, aber verflixt nochmal, wenn jemand daneben stehen und mein Patschehändchen halten würde, hätte ich solche Probleme erst gar nicht !

So aber mache ich meinen eigenen Bockmist und muß dann eben auch alleine sehen, wie ich das wieder gerade ziehe – bislang gelingt das noch halbwegs, finde ich auch ganz gut, meine Güte, ist schließlich nicht
Atombombenbau, sondern „nur“ Reiten. 😉

Move into the punch

August 8, 2010

Das Pferd ist schlau.

Oder ich bin doof, auf alle Fälle steht eines mal fest:

sobald ich auf einer umzäunten Fläche (Größe egal ! ) reite, kann ich mit dem Pferd alles machen.

Schnell traben, langsam traben, schnell galoppieren, langsam galoppieren, alles kein Problem, Speedcontrol funktioniert.

Witzigerweise auch ohne große Zügeleinwirkung, neee, Sitz reicht, ggf. unterstützt durch Heben oder Senken der Zügelhand.

Wehe aber, man reitet das gleiche Pferd auf freier Fläche.

Mir hat das neulich gereicht und da sich schon wieder….

ich umschreibe es mal so: immer dann, wenn ich kurz vor`m Ausrasten und spontanen Pferdverladen auf einen Schlachttransporter gen Italien bin, senkt sich bildlich gesprochen ein dunkelroter Schleier der Wut vor meine Augen.

Normalerweise merke ich das nicht, sondern ticke einfach nur aus (mit allen schlechten Folgen, die das für einen Reiter haben kann), aber ich werde ja glücklicherweise nicht nur älter, sondern – ÜBERRASCHUNG –
scheinbar auch langsam, sehr, sehr langsam, ein klitzekleines bißchen vernünftiger.

– to be continued –

Weniger II

Juli 5, 2010

Aber warum sollte ich mich mit der Vision „Lieschen Müller vom Turnier nebenan“ zufrieden geben, wenn mir youtube ganz anderes Futter für meine Spiegelneuronen* liefert ?

Ihn hier zum Beispiel:

http://www.youtube.com/watch?v=ArbmbAYJaXY

Einmal leise zu mir selber „Ich bin Clinton, ich bin Clinton“ ** geflüstert…und es klappte. Ein hübscher runder Galoppzirkel.

Auf der guten Hand zwar, dafür aber so nett, das ich mich auch auf und an die schlechte Hand traute…

mit dem Ergebnis, das ich erneut aussah wie ein Fahranfänger beim Anfahren am Berg, also eher unelegant.

Ach Mensch, das gibt`s doch nicht. Das muß doch gehen, was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht ?

Neuer Versuch. Noch weniger machen außer Hand noch tiefer, Sitz noch ruhiger, Schenkel noch sanfter am Pferdebauch anliegend und noch geschmeidiger mit dem verlängerten Rücken, nur bloß nicht steif machen, einfach zenmäßig die Energie nach vorne fließen lassen…

Tadaaaaa ! Sanfter, schöner und flüssig gesprungener Lope, an dem zumindest ich erstmal nichts und später auf Nachfrage auch meine Mitreiterin nichts zu meckern hatte.

Bitte, es geht doch.

—————

* http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelneuron

** bitte ! Das ist ein Mann, und was ein Mann kann…

Weniger

Juli 4, 2010

Sonntagsfrühmorgens, Hitze, Schrittausritt in bester Gesellschaft.

Wagemutig das Pferd auf Bit gezäumt, gedanklicher Hintergrund dabei (wie immer natürlich einer, den sich kein Mensch außer mir baut und der irgendwie ziemlich schwachsinnig ist): wir reiten eh nur Schritt, da kann auch mit Bit nichts passieren (da voraussichtlich kein Lenk- + Bremsbedarf) – außerdem hatten wir das lange nicht mehr drin und drauf, das wird ja sonst schlecht, nicht wahr. 😉

Während des Schrittausritts die übliche Frustentwicklung. Bei uns wird derzeit der Ausbau alternativer Energien vorangetrieben. Die unschöne Folge: Strecken, die vorher in allen drei Gangarten bereitbar waren, werden jetzt durch Aufschottern entscheidender Wegeknotenpunkte und Teilstrecken praktisch unnutzbar. Zumindest, wenn man wie ich ein unbeschlagenes Pferd hat, das auch möglichst unbeschlagen bleiben soll… 😦

Gegen Ende des Ausritts kommen wir über eine brachliegende Wiese.

Ich so zu meiner Mitreiterin: „Hast Du was dagegen, wenn ich hier noch ein paar Zirkel reite ? Ich brauche jetzt ein wie auch immer geartetes Erfolgserlebnis, Größe egal. Mich macht das so depressiv, diese ganze Schottergeschichte…“

Sie so: „Och, nöööö, kein Problem, mach` Du mal, ich bleibe hier stehen und gucke zu.“

Ich versuche, einen schönen runden Zirkel im Jog zu reiten.

Pferd sagt: „Iiiiieeeeeek, geht gar nicht und überhaupt, Biegung, was ist das ?“

Hrmpf, also irgendwas mache ich falsch.

Mitreiterin: „Sag`mal, ist irgendwas ?“

Ich: „Äh, neee, wieso ?“

„Du hältst Deine Hand so extrem hoch.“

„Wie, hoch ?“

„Na, so !“ *hebt die Hand bis knapp unter`s Kinn*

„Neeee, kann ja gar nicht….uuuups….äh….“

Mist, sie hat recht. Und war da überhaupt nicht mal was, was die WBT im Unterricht gesagt hat so von wegen Hand- und Zügelführung auf Bit – sowas in der Art wie „die Hand geht sofort wieder runter und wird ruhig abgelegt, wenn das Pferd nachgibt und der Hilfengebung Folge leistet ?“

Also nochmaaaaaaaaaaal und jetzt aber in hübsch: Zügelhand ganz sachte anheben, Pferd senkt den Kopf, sofort Zügelhand wieder ablegen (aber sachte !) und dann etwas mehr hinten sitzen (Standardfehler bei mir: Rennreitervorlagesitz) und dann schön mit dem inneren Schenkel, dabei den äußeren Schenkel nicht vergessen und überhaupt dahingucken, wo man hin will und drehendrehendrehen mit dem Oberkörper nicht vergessen, dabei aber auch wiederum nicht verdrehen, gleichzeitig darauf achten, sich locker und geschmeidig von der Pferdebewegung mitnehmen zu lassen, dabei dafür sorgen, das das Pferd nicht auf die innere Schulter fällt und die Vorhand nach Kanada nimmt, während der Pöter in Mexiko bleibt und überhaupt nicht soviel rumochsen auf dem armen Pferd, das weiß ja sonst gar nicht mehr was Sache ist und bei den ganzen guten Reitern in den youtube-Videos und auf den Turnieren sieht das doch sonst auch so aus, als würden die nichts machen, also mache ich auch einfach mal etwas weniger:

was soll ich sagen, ein Jogzirkel, für den andere Leute töten würden. Und ich auch, würde mir jemand die Garantie geben, das sich meine Jogzirkel künftig immer so GEIL anfühlen.

Sooo schön. Und weil`s so schön war, dann gleich nochmal andersherum und dann nochmal so rum (da schlechtere Hand und das Pferd schon wieder sagte: „Weniger, Frauchen, möckel nicht so viel herum, sonst geht das nicht“).

Ich fordere das Schicksal gerne heraus. So auch heute – ich wollte dieses „haaaaaaach, es klappt, ist das schön“-Gefühl auch in der Gangart des Todes erleben, was konnte angesichts dieses Vorlaufs schon schief gehen ? 🙂

Eigentlich nichts, abgesehen von der Tatsache, das ich meine körperlichen (unreparierbaren) Defizite habe und wenn ich speziell auf einer Hand beim Angaloppieren nicht GANZ genau und ordentlich die Galopphilfe gebe…*seufz*


endet das in einer Weise, die man lautmalerisch mit „äääääärrrrrrrgk-kchr-krchr-holperdipolter“ ganz gut umschreiben kann. So ähnlich wie Anfahren am Berg im dritten Gang oder so.

Geht ja gar nicht. Ich brauche HILFÄÄÄÄÄ !

– to be continued –

Babe ist locker !

Juni 3, 2010

Heute, also, äh, eigentlich GESTERN, aber Ihr versteht schon, was ich meine…

Nun, jedenfalls heutegestern war ich sehr grundentspannt. Der Tag im Büro war wie immer *gähn*, ich war wie so oft nicht gerade früh erschienen, mit der Folge, das ich auch erst entsprechend spät Feierabend machen konnte.

Spät am Stall – das erfordert, selbst bei diesem guten Wetter, eine automatische Limitierung der Reitdauer. (Man will nicht irgendwo in der Pampa sein, wenn die Dämmerung einsetzt und die Rush hour beim Niederwild einsetzt.) Oder – nur eine kurze Geländerunde drehen und dann das machen, was bei anderen unter „Dressurreiten“ läuft. Bei mir läuft das eher unter…nun…mehr so unter „wir versuchen es mal nicht nach gerittenem Gehackten aussehen zu lassen“.

Das Pferd schien gut gelaunt zu sein. Sie war beim Putzen und Satteln lieb und zeigte nicht ihre neu erlernte Unart, mit dem Vorderhuf Linien auf das Pflaster des Putzplatzes zu kratzen…etwas, was mir neuerdings mindestens zwei zusätzliche graue Haare beschert hat und den Gedanken, das ich mich demnächst wohl in die Schlange derer einreihen müßte, deren Hufschmiedetermine weeeeeesentlich länger dauern als die ca. 20 Minuten, die derzeit für`s bloße Ausschneiden und Beraspeln draufgehen.

Im Gelände: ruhig, entspannt, relaxt. Gut, für unsere Verhältnisse, man muß das immer dazusagen. Auch nach Jahren ist das Pferd immer noch für „Huuuuaaaaaach, was ist das ? Das Kaninchen/Feldhase/Hund/Rindviech des Todes mit Appetit auf Tüpfelparma ?“-Momente gut.

Es gab die üblichen Diskussionen über die Bedeutung von grundlegenden Kommandos/Hilfen/Wünschen des ja technisch gesehen völlig hilflosen kleinen Reiterleins * auf dem 550-Kilo-Tüpfelfleischberg.

„Eaaasy“ – was ist das ?

Pferd glaubte mir erst nach drei-, viermaligem „eaaasy“, das dies tatsächlich bedeutet, das man einen Gang runterschalten möchte. Wenigstens konnte ich ihre Reaktionszeit auf der kurzen Dorfrunde verringern – angefangen haben wir mit drei bis vier easys, gegen Ende des Ausritts und zunehmender Tonfallveränderung von mir wurde das weniger. Mag auch daran gelegen haben, das mein Tonfall deutlich weniger zärtlich und säuselnd wurde und eher gen Richtung „Gunnery Sergeant Hartmann“ zu klingen begann. (und ja, wir haben es nicht drauf, den Zügel hier gänzlich aus dem Spiel zu lassen)

„Whoah“ – nein, das heißt nicht „für eine Sekunde anhalten und dann gleich weiterstürmen“, liebstes Pferd.
Wenn Frauchen Whoah sagt, dann heißt das Whoah-stop-dead-in-your-tracks und nicht „Waaaaas ? Waaaaaas ? Aber Zuhause ist doch da hinten und wir halten sonst auch immer erst zu Hause/Straßenkreuzungen/Passanten an, die so aussehen, als wären sie streichelwillig !“

Wir kamen zurück zum Stall und das Pferd wollte es erst nicht glauben – „wie, wir reiten am Anbindeplatz vorbei ? Nicht absatteln ? Weiterarbeiten ? Ja, Frauchen, geht`s noch ?“

Ach, meine Stimme kann sehr liebreizend und säuselnd werden, wenn ich a) grundentspannt bin und b) vom Pferd etwas will. Und da mich auf unserem WinterauslaufjetztmeinTrailreitplatz ohnehin keiner hört und ich fest davon überzeugt bin, das das Pferd in gewissen Maße deutsch versteht, erzählte ich ihr:

„Haselschnäuzelmausezähnchen, wir machen jetzt noch ein bißchen Dressurimitat, ja ? Nur ganz, ganz kurz, wenn Du lieb und artig bist, machen wir auch gleich Schluß und es gibt Leckerchen, Eiditei und Feierabend, versproooooochen !“

Sie glaubte mir.

Und war so brav, so bemüht und lieb – sie war auch etwas sehr langsam und sehr entspannt, aber egal. Für unsere Verhältnisse sind wir noch recht hübsch einige Runden getrabt und galoppiert, haben ein paar Stangen überritten (Gedankennotiz: ich muß noch ein paar mehr dazu kaufen) und haben uns, ganz im Wortsinn, ein bißchen locker gemacht. In Anlehnung an die Horsemanshipaufgabe vom letzten Turnier, die dank meiner Hibbeligkeit so schön in die Grütze ging, wollte ich es dann zum Schluß noch einmal wissen:

ich suchte mir einen Punkt auf dem Platz aus, galoppierte frisch in unserem Karnickelhoppelgalopp darauf zu…setzte mich kurz vor dem Erreichen des Punktes schwer in den Sattel, hob leicht die Zügel an und hauchte das magische Wort in die aufmerksamen Ohren des Pferdes:

„Whoah !“

550 Kilo Tüpfel standen. Wenn mich mein Pogefühl nicht getäuscht hat, sogar geschlossen. Ich gab die Hilfen zum Rückwärtsrichten – zack, zack, zack, eine Pferdelänge rückwärts und wieder:

„Whoah !“

550 Kilo Tüpfel standen.

Hätte ich einen besseren Moment zum Aufhören finden können ?

Rhetorische Frage, denn ich denke: nein, hätte ich nicht. Absteigen, loben, absatteln und dann das Pferd wieder auf die Weide – so, wie sie mich anguckte, war das wohl genau das, was sie im Sinn gehabt hatte. Bravsein, dann gibt die Alte schnell Ruhe. 🙂

Es sind immer nur so mäusefrühchenbabykleine Erfolge, im Vergleich zu den Leistungen anderer geradezu witzlos, die ich mit dem Pferd im Alltag für gewöhnlich habe. Trotzdem sind es diese winzigen Sternchenmomente, die für mich wunderschön sind, die mich fröhlich machen, gut gelaunt und mich wieder daran erinnern, das Reiten Spaß macht, kein Kampf und Krampf sein muß und, das gebe ich offen zu: das man es sich auch auf denkbar niedrigstem Niveau, ohne den ehrlichen Ehrgeiz, binnen kurzer Zeit die Ausbildungsskala in Gänze zu erklimmen, ganz kommod einrichten kann.

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* für etwaig mitlesende Laien: mal ehrlich, glaubt ihr, das es technisch möglich ist, mit Hilfe zweier Lederriemchen und einem bißchen Metall im Pferdemaul eine halbe Tonne Lebendgewicht mit Allhufantrieb zu irgendetwas zu ZWINGEN ? Well, think again. Man kann doch auch keinen ICE mit einer Euromünze auf der Schiene entgleisen lassen, nicht wahr ?

Vorgestern:

Knatsch mit dem Pferd. Irgendwie klemmte ihre Bremse, dafür funktionierte das Gaspedal um so besser (please insert major eyeroll right here). Gut, wir hatten schon schlechtere Ausritte mit mehr Knatsch und Zankereien, aber insgesamt…

Auf dem Heimweg laufen wir dann einem Bekannten in die Arme. Es wird ein bißchen Small-Talk gemacht. Ich kann es mal wieder nicht lassen, etwas mit dem Pferd anzugeben. *

„blablabla…die ist ja soooo lauffreudig…blablabla…die könnte am Tag zwei Stunden laufen und wäre noch nicht müde…blablabla…“

(Merke: auch wenn`s gerade mal scheisse gelaufen ist, andere nicht merken lassen ! Smilesmilesmile !)

und weiter:

„blablabla…neulich Turnier…blablabla…leider nur Materialprüfung ** gewonnen…blablabla…für alles andere ist sie noch nicht rittig genug…“

Er: grinst.

„Jaahaaa…von zwei Stunden Gelände wird sie auch nicht rittig. *kunstpause* Da müßte man mal etwas Dressur reiten !“ 🙂

Uaaaargh ! Und das von jemandem, der mir einst mal in einem vertraulichen Moment sagte, er
hätte früher das dressurmäßige Arbeiten seiner Pferde an andere delegiert, damit er es im Parcours etwas leichter hätte !

(ich lasse jetzt einmal außer acht, das er natürlich völlig recht hat mit seiner Ansage. Und selbstverständlich mache ich ihm keinen Vorwurf deswegen, nur…seit wann ist die ehrliche nackte Wahrheit hübsch und sexy ? Hä ? Ja, genau.)

Gestern:

Kreislaufprobleme, doofer Tag im Job und überhaupt keine Lust auf Stall.

Also Anruf bei einer Miteinstellerin:

„Sach` ma, standn meine Gäule heute beide noch auf den Beinen ? Haste irgendwas besorgniserregendes gesehen, mussichn Stall kommen ?“

Beruhigende Antwort. Nein, sie standen mittags noch, sahen munter aus und es gehe ihnen sehr gut.

(gesagt mit diesem einen Unterton in der Stimme, der mir sagt: die Mädels müssen wieder um Leckerlies gebettelt haben, als gäbe es kein Gras mehr auf der Weide. *kicher*)

Also: STALLFREI ! 🙂

– to be continued –

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* man bedenke bitte, das ich nur eine durchschnittlich aussehende, mittelalte Ische bin, die durch einen glücklichen Zufall das schönste, beste, klügste und tüpfeligste Pferd der Welt kaufen konnte. Man muß mit den Pfunden wuchern, die man (nicht auf den Hüften) hat !

** Englischreiter. Bevor ich dem die Prüfungsarten beim Westernreiten erkläre, deklariere ich lieber eine Pleasure zur Materialprüfung. So falsch ist das nun ja auch nicht.